Tom Gries – Dipl. Informatiker (FH) und seit 25 Jahren im Internet

Das erste Mal saß ich mit 19 an einem Computer. Aus heutiger Sicht ziemlich alt. Allerdings war das zu der Zeit, als gerade die ersten Home Computer auf den Markt kamen: 1982. An das Modell kann ich mich gar nicht mehr genau erinnern. Ich glaube, es war ein Computer von TI (Texas Instruments) – damals noch recht verbreitet.

Die Computer-Welt war noch schwarz/weiß, grün oder Bernstein. Fertige und frei verfügbare Anwendungen gab es praktisch keine. Also musste man selber programmieren. CP/M wurde gerade von MS-DOS (bzw. PC-DOS) abgelöst. Und die erste Programmiersprache, die ich lernte, war BASIC. Später kamen dann noch COBOL und PASCAL dazu.

Diese Zeit hat mich geprägt. Der Computer hat mich seit dem ersten Tag nicht mehr losgelassen. Bereits 1984 – zu der Zeit war ich noch bei der Bundeswehr/Luftwaffe – habe ich den Simulator für das Waffensystem HAWK (ein Luftabwehr-Waffensystem auf der Basis von Boden-Luft Raketen) umprogrammiert. Mein erster Hack – und das bei der Bundeswehr. 😉 Ich fand die Original-Szenarien ziemlich langweilig und habe die Flugzeuge 90° Kurven fliegen oder sie kurzzeitig „getarnt“ und an anderer Stelle wieder auftauchen lassen. Eine Herausforderung für jeden Waffensystemoffizier. BTW: Dieses Konzept wurde ab 1987 von den Klingonen in „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ übernommen. 😉

Nach meiner Bundeswehrzeit wollte ich natürlich weiter mit Computern arbeiten. Und was macht man dazu am besten? Genau – man studiert. Und was? Richtig: Mathematik mit Nebenfach Philosophie. Naja – wie ich dann bald feststellte, war das nicht die optimalte Wahl. 🙁 So entschied ich mich nach einem Studienjahr und einem weiteren Jahr als Pressesprecher im AStA der Uni Informatik zu studieren. Tschaka – das war die richtige Entscheidung. Diskrete Mathematik lag mir doch deutlich mehr als Analysis.

Ein Gutes hatte das Mathe-Studium aber – dadurch habe ich bereits 1992 das Internet kennen- und liebengelernt. Mein erster „Provider“ war die Uni selber und mit einem 4.800er Modem ging es mit „High-Speed“ ins Internet – damals überwiegend noch schwarz und dunkel – halt kurz nach dem Urknall. 😉 Jaaaa – es war wirklich „High-Speed“. Es gab zu der Zeit auch noch lahme Akustikkoppler. 😉 Übrigens: Das 4.800 stand für 4.800 bit/s. Ja, Bit – nicht Byte. 😉

Ende 1993 bis Anfang 1994 hatte ich mein erstes „Shop-System“ entwickelt. Dieses System basierte auf einer Datenbank, hatte eine Schnittstelle zum Warenwirtschaftssystem des Unternehmens und hat den aktuellen Warenbestand (die bestellbaren Artikel) per Knopfdruck bereitgestellt. Für damalige Verhältnisse „revelotuionär“. Vermutlich eins der ersten Systeme dieser Art im Internet. Warum ich das nicht vermarktet habe? Nun – dafür waren drei Umstände ausschlaggebend:

  1. Ich bin Visionär, Entwickler, Erfinder oder was auch immer – aber kein Marketingstratege oder Verkäufer. Ich habe „Komplementärpartner“ gesucht – aber zu der Zeit nicht gefunden.
  2. Das größte Hindernis war ich selber. Ich habe mir immer wieder gesagt: „Das ist doch einfach – das kann doch jeder“. Heute weiß ich, dass es nicht jeder kann und die, die es vielleicht könnten, es lieber machen lassen.
  3. Und ich hatte auch Angst vor den großen Unternehmen. „Wenn ich das auf den Markt bringe, haben die das doch schnell kopiert und auch verbessert“, dachte ich. Seit gut 20 Jahren arbeite ich für die „Großen“ und weiß inzwischen: Bevor die etwas merken und sich bewegen, ist das Produkt bereits in der Degenerationsphase. 😉

Wie es weiter ging? 1997 schrieb ich meine Diplomarbeit mit dem Thema „Konzeption eines elektronischen Bestellwesens im Internet und Realisierung einer Pilotanwendung“. Ein wesentlicher Punkt bei dieser Arbeit war der Kaufentscheidungsprozess im Internet. Vermutlich war dies auch eine der ersten Diplomarbeiten, die sich mit der kommerziellen Seite des Internets befasst haben. Sogar Cyber-Cash und Virtual Reality hatte ich bereits berücksichtigt. 😎

Ein Jahr später – 1998 – ging ich zu EDS – damals mit ca. 135.000 Mitarbeiter weltweit die Nummer 2 der IT-Dienstleister, allerdings ziemlich unbekannt außerhalb der Branche. Es war wohl das weltweit größte unbekannte Unternehmen. 😉 Als Security Analyst und Security Consultant untersrtütze ich Unternehmen wie Deutz, Ahold (Amsterdam), Kraft Foods International (Zürich und Chicago), The Coca Cola Company (Brüssel und London), General Motors und die US Army in EMEA. Anfang 2001 kam die Ausbildungsabteilung von EDS auf mich zu und fragte, ob ich Lust hätte, in Mannheim den Studiengang Digitale Medien mit aufzubauen. Na klar hatte ich Lust – und wie. 🙂 Und seit der Aufnahme des Studienbetriebs 2002 bin ich dort Dozent. Die ersten Jahre in den Fächern Informations- und Kommunikationstechnologien, Internet Technologien und Internet Security. Aktuell in den Fächern Internet Technologien sowie Netzwerktechnik und Sicherheit.

EDS wurde 2008 von HP aufgekauft und in den nächsten Jahren vollständig in HP integriert. Nach der Übernahme sollten fast 30 % des deutschen Personals abgebaut und Gehaltskürzungen vorgenommen werden. Ich entschloss mich daher, das damalige Abfindungsangebot anzunehmen und verlies EDS zum 31.07.2009. Das nächste Jahr holte ich einige liegengebliebene Security- und Management-Zertifizierungen in Indien nach (Goa, Dehli und Dehradun) und bildete mich interkulturell in Südostasien weiter.

Seit September 2010 bin ich als Senior Cyber Security Analyst & Consultant bei der T-Systems International GmbH. Zunächst in Darmstadt und seit 2013 in Berlin. Bei der Telekom Training GmbH bin ich seit 2016 nebenberuflicher Trainer für Cyber Security.

Daher ist der Schwerpunkt dieser Website alles, was ich für meine Vorlesungen und Workshops entwickelt habe. In Zukunft werde ich auch meine Eigenentwicklungen (Raspberry PI, VirtualTux etc.) hier vorstellen.

 

Berlin im November 2017

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